Bei den meisten Kreditangeboten wird ein niedriger Zinssatz angepriesen, wobei dieser mit dem Zusatz „ab“ versehen ist. Im Kleingedruckten ist dann oft noch zu lesen, dass die Verzinsung bonitätsabhängig ist. Was verbirgt sich dahinter?
Für jeden Kredit ist ein bestimmter Zinssatz zu bezahlen. Der Zinssatz, den der Kunde an die Bank bezahlt, ist ein Entgelt für die Kapitalüberlassung. Doch welche Komponenten bestimmen die Höhe der Kreditverzinsung?
In erster Linie muss die Bank die eigenen Refinanzierungskosten decken, denn um das Geld ausleihen zu können, muss die Bank das Geld anderweitig aufnehmen. Die Differenz zwischen dem Kundenzinssatz und dem Marktzins bzw. Refinanzierungszinssatz stellt die so genannte Bruttomarge dar. Mit der Bruttomarge müssen sowohl die Bearbeitungskosten, als auch die Eigenkapitalkosten und die Risikokosten gedeckt werden. Die Bearbeitungskosten sind bonitätsunabhängig. Die Risikokosten hängen dagegen direkt mit der Bonität des Kunden zusammen. Je schlechter die Bonität, desto höher die Risikokosten. Die vereinnahmten Risikokosten sollen den erwarteten Verlust aus einem Kreditgeschäft decken. Dies bedeutet, dass die Bank sich das Risiko eines möglichen Kreditausfalls bezahlen lässt. Die Risikokosten sind also eine Art Risikopuffer:
Die Risikokosten werden meistens über statistische Auswahlwahrscheinlichkeiten ermittelt. Jede Bankgruppe arbeitet mit unterschiedlichen Ausfallwahrscheinlichkeiten und Ratingprogrammen. Das Rating ist ausschlaggebend für die Bonitätsermittlung. Aus der Bonität wird dann die Ausfallwahrscheinlichkeit abgeleitet.
Dies bedeutet im Klartext, dass ein Kunde bei einer Sparkasse eventuell höhere Risikokosten für den gleichen Kreditbetrag haben könnte als bei einer Volksbank. Leider kann ein Kunde auf Basis des ihm mitgeteilten Zinssatzes nie feststellen ob die Risikokosten oder Bearbeitungskosten den größeren Einfluss auf seine Kondition haben und in welcher Höhe.
Ein Kunde sollte seine eigene Bonitätseinstufung kennen, um den Kreditzinssatz zu plausibilisieren.
Eine bonitätsabhängige Verzinsung ist meistens im Firmenkundengeschäft oder Retailgeschäft mit kleineren Anschaffungsdarlehen üblich. Im Bereich Wohnbaufinanzierung ist eine bonitätsabhängige Verzinsung meistens unüblich.
Grundsätzlich gilt, dass bei Krediten, bei denen ein Kunde werthaltige Sicherheiten der Bank für seinen Kredit zur Verfügung stellt, die Risikokosten geringer sein müssen als für einen Kredit ohne Sicherheiten. Da aber die meisten privaten Anschaffungsdarlehen ohne Sicherheiten vergeben werden, sind die Risikokosten bei schlechteren Bonitäten sehr hoch und damit die gesamte bonitätsabhängige Verzinsung.